Teamwork für Ihre Gesundheit

Von Medizin über Psychologie bis zur Ernährungstherapie: Wenn Fachkräfte Hand in Hand arbeiten, fördert dies den Reha-Erfolg.

In Reha-Kliniken sind viele Berufsgruppen vertreten, sowohl auf medizinischer Seite als auch Psychologie, Ergo-, Physio- und Ernährungstherapie sowie soziale Arbeit. Wie profitieren Patientinnen und Patienten, wenn diese Berufsgruppen ein echtes Team bilden? Dr. Worringen: Studien zeigen: Je flacher die Hierarchien, je klarer die Rollen für jede Berufsgruppe und je besser die Kommunikation, desto höher sind die Mitarbeiterzufriedenheit und die Outcomes für Patientinnen und Patienten. Reha-Kliniken, die gute Ergebnisse erzielen, haben auch eine sehr gute Teamzusammenarbeit. Der Rehabilitationserfolg wird vor allem daran gemessen, ob die Person nach der Reha schnell wieder zur Arbeit zurückkehren kann. Was macht eine gute Zusammenarbeit aus? Dr. Worringen: Der springende Punkt ist: Wie ist die Teamarbeit organisiert? Als Kostenträger geben wir Rahmenbedingungen vor, zum Beispiel zu Teambesprechungen, und wir erreichen viel über Fortbildungen. Es ist aber auch eine Frage des Selbstverständnisses und Aufgabe der ärztlichen Führung, Kommunikation auf Augenhöhe zu fördern. Es ist spürbar, dass ein Generationenwechsel stattfindet und jüngere Ärztinnen und Ärzte stärker interprofessionell ausgerichtet sind. Dr. Kroll, wie wirkt sich das gute Miteinander bei Ihnen im Reha-Zentrum Bad Frankenhausen auf Patientinnen und Patienten aus? Dr. Kroll: Das funktioniert für jede Indikation ähnlich, aber in der Psychosomatik ist es zum Beispiel so, dass ein ärztliches und ein psychologisches Teammitglied eine Patientin oder einen Patienten als Bezugspersonen betreuen. In Teambesprechungen werden alle Berufsgruppen informiert und die Erfahrungen, Perspektiven und die Expertise aller eingeholt. So können wir mit den Patientinnen und Patientenden optimal an den Therapiezielen arbeiten. Wir vermitteln ihnen gegenüber eine gemeinsame Botschaft, sodass für sie immer Klarheit besteht. Es ist immer möglich, Rat bei einem Kollegen oder einer Kollegin einzuholen. Das schätzen unsere Patientinnen und Patienten sehr.

Dr. Worringen: Ein weiterer Erfolgsfaktor sind Klinikinformationssysteme, über die das therapeutische Personal auf die Patientenakte zugreift. Bevor es die digitale Version gab, war es logistisch schwierig, an die Papierakte zu gelangen. Es sind große Häuser, die Wege lang. Jetzt kann eine Therapeutin oder ein Therapeut direkt schauen, was die anderen bereits dokumentiert haben, und selbst Auffälligkeiten eintragen. So fließen die Informationen auch unabhängig von Teambesprechungen.

Illustration von vier fachlich unterschiedlichen Personen, die symbolisch miteinander kommunizieren – steht für Teamarbeit in der Reha.

Teamwork ist im Reha-Zentrum Bad Frankenhausen auch im Rahmen der Dualen Reha gefragt, die Psychosomatik und Orthopädie näher zusammenbringt … Dr. Kroll: Ja, wir leben die Zusammenarbeit auch über Abteilungsgrenzen hinweg. Wir stellen uns gegenseitig die Fälle bestimmter Patientinnen und Patienten vor, bitten um Rat, eine Einschätzung oder eine Therapieoptimierung. Es ist sehr sinnvoll, Synergien zu nutzen. Wer hat keine orthopädischen Erkrankungen ab einem bestimmten Alter? Die beiden Bereiche passen besonders im Bereich chronischer Schmerzen sehr gut zusammen. Und Menschen mit Depression profitieren zum Beispiel auch von Bewegung, Sport und Massagen. Die Patientinnen und Patienten fühlen sich viel besser wahrgenommen, wenn wir nicht nur auf die Psyche schauen, sondern auch körperliche Probleme ernst nehmen. Wie bereichert das Miteinander Ihren beruflichen Alltag? Dr. Kroll: Ich schätze es sehr. Ich könnte mir nicht vorstellen, alleine in einer Praxis zu arbeiten. Ich mag es generell, mit Menschen zusammen zu sein, egal welcher Profession. Wir helfen uns gegenseitig und sind in herausfordernden Situationen nicht allein. Und dann ist es natürlich auch schön, mal zusammen zu feiern oder zu frühstücken.

Zwei Expertinnen für interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die Psychotherapeutin Dr. Ulrike Worringen leitet den Bereich innerhalb der Deutschen Rentenversicherung Bund, der sich dem Thema Interdisziplinäre Zusammenarbeit widmet. Das Team betreut Forschungsprojekte, bietet Fortbildungen an und stellt Infomaterialien bereit.

Porträt von Dr. Ulrike Worringen
Porträt von Dr. Jördis Kroll

Dr. Jördis Kroll, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, ist Ärztliche Direktorin des Reha-Zentrums Bad Frankenhausen in Thüringen. Mit ihren Kolleginnen und Kollegen lebt sie interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Praxis.

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