Moderne Reha dank Forschung
Innovative Konzepte, neue Therapieansätze und Antworten bei Post-COVID: Wie die Deutsche Rentenversicherung Bund Rehabilitation stetig weiterentwickelt.
Forschung ist ein bedeutsames Anliegen der Deutschen Rentenversicherung Bund, und das aus gutem Grund. Sie sorgt dafür, dass Reha-Angebote nicht nur medizinisch wirksam, sondern auch am Puls der Zeit sind. Gefördert werden Projekte, die wissenschaftlich fundiert sind, sich in der Praxis beweisen und den Patientinnen und Patienten echte Vorteile bieten. Die Bandbreite ist groß: Sie reicht von der Überprüfung bewährter Reha-Formen bis zur Entwicklung neuer Konzepte. Ein aktuelles Beispiel ist die hybride Reha und Nachsorge, bei der Aufenthalte in der Klinik mit digitalen Angeboten kombiniert werden. So können Patientinnen und Patienten flexibel bleiben – etwa mit einer App, die nicht nur Übungen oder Informationen bietet, sondern auch den direkten Austausch mit medizinischem Fachpersonal ermöglicht, zum Beispiel per Chat oder Video-Call mit einer Ärztin oder einem Physiotherapeuten. Solche Angebote sind unkompliziert nutzbar und lassen sich gut in den Alltag integrieren. „Neue Methoden müssen sich in der Funktionalität beweisen“, betont Steffen Ohmann aus dem Dezernat Recht, Grundsatz und Geschäftsprozesse bei der Deutschen Rentenversicherung Bund. „Deshalb werden Neuerungen nicht einfach nur eingeführt, sondern zuvor auf Akzeptanz, Wirksamkeit und mögliche Verbesserungen getestet.“ Die Forschungsvorhaben können an Universitäten oder von unabhängigen Entwicklerinnen und Entwicklern, die keiner bestimmten Einrichtung angehören, durchgeführt werden – entscheidend ist immer die Zielsetzung und Qualität des gesamten Projekts. Innovative Konzepte und neue Krankheiten Die Themen der Forschung sind vielfältig. In der orthopädischen Rehabilitation zeigen hybride Angebote, dass sie mindestens denselben Lerneffekt erzielen wie klassische Programme. Ein innovatives Beispiel für eine Duale Reha ist die Psycho-Kardiologie, bei der die psychologische und die körperliche Komponente gleichwertig behandelt werden – bewährte Therapien werden hier mit psychologischer Unterstützung nach Herzinfarkten kombiniert. Gefördert werden auch spezielle Nischenprojekte, zum Beispiel barrierefreie Nachsorgeangebote für Menschen mit Seheinschränkungen oder Konzepte für besondere Bedürfnisse. Eine aktuelle Herausforderung, die aufzeigt, wie wichtig Forschung in der Rehabilitation ist, ist Post-COVID. Welche Reha-Formen wem helfen, war und ist Gegenstand von Forschungsprojekten der Deutschen Rentenversicherung Bund. Das Ergebnis: „Es gibt nicht die eine Lösung. Manche profitieren von der regulären Reha, andere brauchen angepasste Wege“, so Steffen Ohmann.
>> Die Ideen, die vor ein paar Jahren optimal waren, können heute schon überholt sein. <<
STEFFEN OHMANN
Wissenschaft statt Bauchgefühl „Die Ideen, die vor ein paar Jahren optimal waren, können heute schon überholt sein“, betont er. „Man braucht wissenschaftlich fundierte Evaluation und nicht nur das Gefühl, dass etwas gut ist.“ Forschung sorgt dafür, dass Reha-Angebote modern bleiben, echte Wirkung entfalten – und den Menschen helfen, wieder mitten im Leben zu stehen. Weil es sich bei Post-Covid um ein neues Krankheitsbild handelt, kommt evidenzbasierten Erkenntnissen hier eine besondere Rolle zu: Sie zeigen, wie Betroffenen anhand gesicherter Grundlagen gezielt geholfen werden kann. Mehr als Müdigkeit: Wege aus Post-COVID Viele Menschen leiden noch Monate nach einer COVID-Infektion unter anhaltenden Beschwerden – eine moderne Reha eröffnet neue Chancen auf Besserung. Nach einer schweren COVID-Erkrankung, insbesondere nach dem damit verbundenen Aufenthalt auf der Intensivstation, schließt sich meist eine Rehabilitation in einer Klinik an. Diese Anschlussrehabilitation hilft, die Folgen der Infektion gezielt zu bewältigen. Die meisten Menschen erleben einen milden Verlauf der Krankheit. Auch sie können jedoch ein Post-COVID-Syndrom entwickeln. Typisch sind anhaltende Symptome wie Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen oder Gliederschmerzen. Halten diese Beschwerden drei Monate und länger an, spricht man von Post-COVID. Die Ursachen sind vielfältig und noch nicht vollständig verstanden – immunologische Prozesse und Veränderungen der Blutgefäße werden diskutiert, ebenso spielen Risikofaktoren wie Übergewicht, Stoffwechselstörungen oder psychische Belastungen eine Rolle. Ein zentrales Element der Therapie und Forschung ist das sogenannte Avoidance-Endurance-Konzept: Manche Betroffene schonen sich aus Angst vor Verschlechterung so sehr, dass sie in einen Trainingsmangel geraten (Avoidance); andere wiederum überfordern sich, weil sie ihre Einschränkungen nicht akzeptieren können (Endurance). Beides kann den Heilungsprozess negativ beeinflussen. In der Reha der Deutschen Rentenversicherung Bund setzt man deshalb gezielt auf eine individuell abgestimmte Balance zwischen Aktivierung und Schonung – begleitet von erfahrenen Therapeutinnen und Therapeuten. Multimodale Reha hilft oft sehr gut Die Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung Bund ist multimodal: Psychotherapie, Bewegungs- und Atemtherapie, kognitives Training und kreative Angebote werden individuell kombiniert und angepasst. Wie einschneidend eine Post-COVID-Erkrankung sein kann, verdeutlicht Prof. Dr. Volker Köllner, Ärztlicher Direktor des Reha-Zentrums Seehof, Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, am Beispiel eines Patienten: „Wir hatten einen Redner, der sich keine Beiträge mehr merken konnte und nach zehn Minuten erschöpft war. Er konnte seinen Beruf nicht mehr ausüben, musste sein Leben neu definieren und seinen Selbstwert neu regulieren – da helfen diese therapeutischen Formate sehr gut.“ Internationale Forschung gibt Anlass zur Hoffnung Die Forschung schreitet weltweit voran. Prof. Köllner blickt optimistisch in die Zukunft: „Die große Frage ist: Werden wir bald ein wirksames Medikament für Post-COVID haben? Ich bin zuversichtlich, dass die Forschung die Rehabilitation weiter voranbringen wird und noch gezieltere Reha-Verfahren entwickelt werden.“