Lebensstil nachhaltig ändern – aber wie?
Ein gesunder Lebensstil bringt zahlreiche Vorteile. Doch wie schafft man es, gesunde Routinen dauerhaft beizubehalten?
Während einer Reha fassen viele den Entschluss, gesünder zu leben. Doch wie gelingt es, den Lebensstil langfristig zu ändern? „Zunächst ist es entscheidend, ein Problembewusstsein und den nachhaltigen Wunsch zu haben, etwas zu verändern“, sagt Dr. Klaus Herrmann, Diabetologe und Psychosomatiker. Wurde das Ziel von außen auferlegt – etwa, wenn die Ehefrau ihren Mann in Therapie schickt –, dann ist diese Fremdmotivation selten eine gute Grundlage, langfristige Veränderungen herbeizuführen. Reha kann Sog-Effekt haben In der Reha geht es zunächst darum, herauszufinden, was man eigentlich ändern will und welcher Weg realistisch machbar ist. „Wer daran kein Interesse hat, wird nicht profitieren“, so Dr. Herrmann weiter. Während des Klinikaufenthalts herrschen oft Idealbedingungen vor. Keine Arbeit, kein Stress, keine Hausarbeiten, nicht kochen, nicht putzen müssen, gesundes Essen. Weil Alltagsroutinen wegfallen, haben die Patienten Zeit, sich nur auf sich selbst zu fokussieren und über sich selbst, die Erkrankung und den Lebensstil nachzudenken. Man lebt mal nicht im berühmten Hamsterrad des Alltags. Und dann sind da in der Reha noch die anderen Patientinnen und Patienten, die wegen gleicher Thematiken gekommen sind und nach Lösungen suchen. Hier können gegenseitiger Austausch, Verständnis und Toleranz dabei helfen, Lösungen zu finden und erste Fortschritte zu machen. Das motiviert. Durch die Angebote der Bewegungstherapie kann man in der Reha die Erfahrung machen, dass das Training wirkt und das Lebensgefühl verbessert wird: Wenn sich erste Erfolge einstellen, kann das einen Sog-Effekt auslösen und Lust auf mehr erzeugen. Man schafft etwas, was man sich zu Hause nicht vorstellen konnte, und erlebt Selbstwirksamkeit. Gleichzeitig muss man sich dann aber auch auf das vorbereiten, was nach der Reha kommt. „Nachhaltige Veränderungen werden nur gelingen, wenn man sich bewusst Zeit dafür einplant und sich Gedanken macht, wie diese neuen Gewohnheiten in den Alltag integriert werden können“, sagt Dr. Herrmann deutlich. Eine regelmäßige Teilnahme an Selbsthilfegruppen oder das Blockieren fester Zeiten im Kalender helfen, dranzubleiben – genau wie der Kontakt zu anderen Menschen, die ähnliche Vorsätze verfolgen. „Viele unserer Patienten halten Kontakt über soziale Netzwerke. Das wirkt ähnlich wie ein Trainingspartner oder eine Selbsthilfegruppe und kann hilfreich sein, um in der Reha Erlerntes auch im Alltag beizubehalten. Wer was verändern will, braucht Verbündete, heißt das Motto.“ Rückschläge lassen sich selten ganz vermeiden. Dann hilft es, sich vor Augen zu führen, was man schon geschafft hat. Manche Patientinnen und Patienten schreiben in der Reha einen Brief an sich selbst, den die Klinik ihnen nach einem vereinbarten Zeitraum zuschickt, als Erinnerung an das ursprüngliche Ziel – und daran, wie weit man gekommen ist. Oder sie machen sich tagebuchartig Notizen während des Aufenthaltes und nehmen diese später nochmal als Lektüre, wenn der Alltag sie einzuholen droht.