Dank Herztransplantation kann Nderim Meha nach vorn blicken – und vielleicht sogar bald Berge besteigen.

Dank Herztransplantation kann Nderim Meha nach vorn blicken – und vielleicht sogar bald Berge besteigen.

Ein neues Herz, ein neues Leben

Nderim Meha wurde ein Herz transplantiert. Für ihn ist es ein Neuanfang und ein zweischneidiges Schwert. In der Reha wird er auf die neue Normalität vorbereitet.

Die Diagnose traf die Familie wie ein Schlag: arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC), eine seltene, genetisch bedingte Herzmuskelerkrankung. Nderim Meha (33) war erst 11 Jahre alt, als die Ärzte die Krankheit bei ihm feststellten. Der Anlass: Seine beiden Geschwister waren kurz nacheinander bewusstlos geworden. Danach stellte sich heraus, dass alle drei Kinder der Familie die Herzmuskelerkrankung in sich tragen. Sport, auch Schulsport, war für Nderim Meha daraufhin tabu. Später bekam er einen „Defi” – ein implantiertes Gerät, das das Herz im Falle einer lebensbedrohlichen Rhythmusstörung wieder in den Takt bringt. Doch solche unter Umständen tödlichen Herzrhythmusstörungen sind nicht die einzige Gefahr bei ARVC. Manchmal verläuft sie bereits in jungen Jahren so schwer, dass aufgrund der nachlassenden Pumpleistung nur noch eine Herztransplantation bleibt.

„Dass das bei mir irgendwann so kommen würde, darauf haben mich die Ärzte schon vor längerer Zeit vorbereitet“, erzählt er. Trotzdem ist ihm die Entscheidung nicht leichtgefallen. Einerseits wollte er nicht zu lange warten. Andererseits hatte er bei seinem inzwischen verstorbenen Bruder gesehen, wie schwerwiegend ein solcher Eingriff ist. Er musste zweimal im Abstand von zehn Jahren transplantiert werden.

Zwei junge Menschen – ein Mann in einem braunen T-Shirt, eine Frau in einem orangefarbenen T-Shirt – stehen auf einer Wiese vor einem Gebäude und unterhalten sich im Freien.

Beim Treppensteigen merkt Nderim Meha schon deutlich die Verbesserung: Das neue Herz arbeitet gut.

Warten auf das neue Herz – zwischen Angst und Hoffnung „Meine Gefühle der Transplantation gegenüber waren gemischt. Da war einerseits die Angst vor den Risiken, andererseits aber auch Optimismus“, erinnert er sich. Als seine Herzfunktion in den letzten zwei Jahren deutlich schlechter wurde, war klar, dass er den Schritt machen musste: „Ich wollte in jungen Jahren noch etwas von dem neuen Herzen haben.“ Nachdem er auf die Hochdringlichkeitsliste gesetzt worden war, verbrachte er neun Wochen abrufbereit im Krankenhaus, dann kam der Anruf: Ein passendes Herz war gefunden. Die Zeit nach der OP, die nicht ganz ohne Komplikationen verlaufen war, sei nicht nur körperlich, sondern auch psychisch sehr schwierig gewesen. Jetzt, etwa zehn Wochen später, ist zwar noch längst nicht alles gut. „Aber die Probleme werden kleiner.“ Zum Beispiel ist da dieses Zittern, das schon einmal besser war und ihn nun wieder vermehrt plagt. In der Ergotherapie in der Klinik Hochstaufen im Berchtesgadener Land lernt er, seine Feinmotorik zu verbessern, damit er seine Finger besser unter Kontrolle hat – auch im Hinblick auf die Rückkehr in seinen Beruf als IT-Angestellter. „Ich fühle mich schon fast wieder in der Lage zu arbeiten“, sagt er. Auch die Schmerzen im Bereich der OP-Narbe seien wieder etwas schlimmer geworden. Das gilt es zu akzeptieren: Der Weg ist nicht immer geradlinig, manchmal geht es zwei Schritte vor und einen zurück.

Ein Patient liegt auf einer Untersuchungsliege, während ein Arzt ein Ultraschallgerät benutzt und den Monitor betrachtet.

Während der Reha muss die Herzfunktion regelmäßig mittels Herzultraschall überwacht werden.

Die Rehabilitation nach einer Herztransplantation hat mehrere wichtige Funktionen. „Das Ziel ist, die Patientinnen und Patienten Schritt für Schritt wieder zurück ins Leben zu begleiten – körperlich, seelisch und sozial“, erklärt Dr. Sebastian Göbel, Ärztlicher Direktor. Dafür braucht es ein individuell angepasstes Programm: Gymnastik, um die Beweglichkeit im Brustkorb wiederherzustellen und Schmerzen zu lindern, gezieltes Muskelaufbautraining gegen die „Schonhaltung“, Ausdauerübungen und Ernährungsberatung – wichtig, da wegen der Immunsuppression auf eine besonders hygienische und ausgewogene Kost geachtet werden muss. Parallel wird die richtige Dosierung der Immunsuppressiva kontinuierlich überwacht, ebenso wie die Herzfunktion. Regelmäßige psychologische Gespräche helfen dabei, die Belastungen und Ängste zu verarbeiten, die mit einem solchen Eingriff und den neuen Lebensumständen einhergehen. Die Betreuung herztransplantierter Patientinnen und Patienten im Rahmen einer Reha ist daher besonders anspruchsvoll und erfordert eine hohe Expertise. „Ich bin beeindruckt von der Belegschaft: Alle sind sehr kompetent, vom Chefarzt bis zu den Therapeuten“, so Nderim Meha. „Ich habe mich wirklich top betreut gefühlt.

Zum ersten Mal seit Langem: der Blick nach vorn Die Reha-Klinik in Bayerisch Gmain liegt malerisch am Fuß der Berge – ein Anblick, der bei Herzkranken oft gemischte Gefühle auslöst. Auch für Nderim Meha war Bergwandern bisher nie eine Option. Doch den Anstieg im Garten der Klinik schafft er mittlerweile mit links. „Ich merke, dass mir momentan zwar noch die Muskeln fehlen – aber das Herz macht schon sehr gut mit. Das ist ein gutes Gefühl.“ Zum ersten Mal seit Langem wagt er es, in die Zukunft zu blicken und Pläne zu schmieden. Was er sich vorgenommen hat? Zum Beispiel Sport treiben. Bergwandern könnte er sich beispielsweise sehr gut vorstellen.

>> Die Probleme sind zwar noch da, aber sie werden immer kleiner. <<

NDERIM MEHA

Ein Mann mit Maske fährt unter Aufsicht einer medizinischen Fachkraft auf einem Fahrradergometer.

Kardio-Training unter Überwachung auf dem Fahrrad-Ergometer.

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