Bewegung ist ein wichtiger Baustein der Adipositas- und Diabetes­behandlung.

Bewegung ist ein wichtiger Baustein der Adipositas- und Diabetes­behandlung.

Mit Hafer und E-Bike zu mehr Lebensqualität

Thomas Backhaus lebt seit seiner Kindheit mit Diabetes. Die Reha in Bad Kissingen hilft ihm, Lebensstil und Therapie neu auszu­balancie­ren.

Kochen ist eigentlich nicht sein Ding, daraus macht Thomas Backhaus keinen Hehl. Trotzdem steht er jetzt in der Lehrküche der Klinik Saale in Bad Kissingen und lernt, wie man gesunde Wraps zubereitet. Der 59-Jährige hat seit seiner Kindheit Diabetes Typ 1 – also die seltene Form der Zuckerkrankheit, die das Spritzen von Insulin erforderlich macht. Von selbst kann der Körper das Hormon nicht mehr produzieren, und ohne Insulin gerät der Blutzuckerspiegel außer Kontrolle. Thomas Backhaus hat deshalb eine Insulinpumpe. Zugegeben: Zu Hause wird wahrscheinlich wieder seine Frau das Kochen übernehmen. Aber es geht ums Prinzip: Als Diabetiker braucht er Strategien, um seine Gesundheit mit Hilfe einer gesunden Ernährung zu erhalten. Leider ist ihm das nicht immer gelungen. Zusätzlich zum Diabetes hat er eine Adipositas entwickelt. Dazu kämpft er mit diversen Folgen seiner langjährigen Erkrankung. So hat sich das Binde­gewebe in seinen Handflächen schmerz­haft verkürzt und verhärtet.

Mann spricht mit Frau in medizinischer Kleidung in Küche, vor ihnen stehen Ölflaschen, Kräuter und ein Glas mit Tomatensoße.

Gesunder Lebensstil, praktisch umsetzbar: Hier liegt der Fokus der Ernährungsberatung in Bad Kissingen.

Ein Finger musste ihm bereits abgenommen werden. Auch seine Nerven sind geschädigt, sodass er schon bei kleinen Anstrengungen starke Knieschmerzen bekommt. Seit einem Schlaganfall hat er außerdem mit Schwindel zu kämpfen. Sport zu machen, ist deswegen nur sehr schwer möglich, aber er tut, was er kann. „Ich fahre zu Hause so viel wie möglich mit dem Schummelfahrrad“, erzählt er und meint damit sein E-Bike. Hier in Bad Kissingen, wo er gerade auf Reha ist, gibt es zahlreiche Sportangebote, vom Nordic Walking über das Bewegungsbad bis hin zu Unter­wasser­fahr­rädern, die selbst schwer übergewichtigen Menschen das Radfahren ermöglichen. Bei Thomas Backhaus klappt das wegen seines Schwindels leider nicht, deshalb liegt der Fokus auf Ernährung und Gewichtsreduktion. Und auch hier hat die Klinik Saale sehr viel zu bieten: Die täglichen Mahlzeiten sind Teil der Therapie. Im Speisesaal gibt es gesundes Essen, das mit Schildern zu Kalorien- und Kohlenhydratgehalt versehen ist. Bei Fragen können Ernährungsberaterinnen helfen. Thomas Backhaus ist schon auf einem guten Weg: 11 Kilo hat er seit Oktober abgenommen – ein wichtiger Beitrag, damit sein Körper wieder besser auf das Insulin reagiert. Wie bedeutsam die Ernährung ist, hat er während der Reha sogar am eigenen Leib erfahren, als er ermuntert wurde, Hafertage einzulegen. Dabei wird die Kalorienzufuhr stark reduziert. Da der Hafer lange satt macht, muss man aber nicht wirklich hungern. „Zwei Tage nur Hafer essen, das hätte ich zu Hause nicht hingekriegt, aber hier geht das. Am zweiten Tag ging der Blutzucker in den Keller“, so Backhaus. Bei Menschen mit Insulinresistenz können regelmäßige Hafertage die Insulin­empfindlichkeit verbessern. „Solche Experi­mente sind außerdem hilfreich, weil sie den Patienten zeigen, dass man über die Ernährung selbst Einfluss auf die Krankheit nehmen kann“, weiß Dr. Klaus Herrmann.

Mann isst Suppe und Wraps mit Salat an einem gedeckten Tisch, daneben ein Glas mit Gemüse – gesunde Mahlzeit in heller Umgebung.

Selbstgemachte Wraps – fix zubereitet, frisch gefüllt und richtig lecker.

Messer, Gabel, Turnschuhe „Ich sage meinen Typ-2-Diabetes-Patienten immer: Diabetes wird vorrangig mit Messer und Gabel und mit Turnschuhen behandelt", bringt es der Ärztliche Direktor der Klinik Saale in Bad Kissingen auf den Punkt. Zwar gibt es zahlreiche Medikamente, die heute bei Diabetes eingesetzt werden, doch ein gesunder Lebensstil sollte immer die Grundlage sein. Und Reha hilft dabei, zu lernen, wie das in der Praxis funktionieren kann. „Wer von der Erkrankung betroffen ist, braucht erstmal einen Führerschein: Man muss Theoriekurse belegen, um zu verstehen, was im Körper passiert und was zur Behandlung dazugehört“, so Dr. Herrmann weiter. Die erste Schulung sollte man möglichst früh nach Diagnosestellung machen. Aber auch Diabetikerinnen und Diabetiker, die jahrelang sehr gut zurechtgekommen sind, brauchen manchmal eine Auffrischung. Sei es, weil sich etwas im Leben geändert hat und die Blutzuckerkontrolle einfach nicht mehr gelingt oder um den Umgang mit technischen Neuerungen wie Insulinpumpen zu lernen.

Mann im blauen Anzug sitzt lächelnd an einem Tisch in hellem Büro
>> Wer von der Erkrankung betroffen ist, braucht erstmal einen Führerschein. <<

DR. KLAUS HERRMANN

Stets auf dem neuesten Stand Thomas Backhaus lebt seit 47 Jahren mit dem Diabetes. In dieser Zeit hat sich in Forschung und Behandlung enorm viel getan. Vieles, was vor 30 Jahren galt, ist nicht mehr aktuell: „Die Ernährungsempfehlungen haben sich radikal geändert“, sagt der gelernte Schlosser. Während es früher viele Verbote gab, wird heute eher auf eine insgesamt gesunde Ernährung Wert gelegt. Ausnahmen sind erlaubt, wenn sie Ausnahmen bleiben und der Blutzucker passt. „Andere Reha-Kliniken haben mich abgelehnt, weil ich zu viele Krankheiten habe“, erzählt er. Die Klinik Saale hat er sich ausgesucht, weil man sich hier so gut mit dem Zucker auskennt. „Ich war wirklich positiv überrascht, dass man hier immer auf dem aktuellen Stand der Forschung ist. Das, was einem hier erklärt wird, sagen ein paar Jahre später auch alle anderen.“

>> Man muss damit leben und man kann damit leben. <<

THOMAS BACKHAUS ÜBER SEINEN TYP-1-DIABETES

Moderne Skulptur mit ineinandergreifenden Ringen in Orange, Blau und Hellblau, Schriftzug „DIABETES EXZELLENZZENTRUM DDG“ am Sockel.

Klinik Saale: exzellent bei Diabetes und Psyche

Die Klinik Saale ist seit 46 Jahren auf Diabetes spezialisiert und als Exzellenzzentrum Diabetes von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zertifiziert – die höchste Auszeichnung auf diesem Gebiet. Eine besondere Expertise besteht zusätzlich im Bereich Diabetes und Psyche: Für diese Kombination hat die Klinik als einzige in Deutschland von der DDG eine Zertifizierung erhalten. Im Rahmen eines einzigartigen Konzepts wird die Duale Reha Psycho-Diabetologie angeboten.

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